New-START-Vertrag läuft aus
Am 5. Februar endet der Vertrag zwischen Russland und den USA zur Begrenzung der Atomwaffenarsenale
START steht für Strategic Arms Reduction Treaty, zu deutsch Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen. Nach Jahrzehnten gegenseitiger Drohung und Abschreckung hatten die Atommächte ihre nuklearen Arsenale auf über 70.000 Atombomben hochgerüstet. Mit dem START I- und dem START II-Vertrag hatten die USA und Russland bereits vereinbart, ihr Arsenal des Schreckens abzurüsten. 2010 folgte der NEW-START-Vertrag, unterzeichnet von Barack Obama und Dimitri Medwedew. Das 2011 in Kraft getretene Abkommen sieht vor, dass die beiden größten Atommächte die Zahl ihrer Atomsprengköpfe auf Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützten Langstreckenraketen und Atombombern auf jeweils 1.550 Stück verringern. Die Zahl der Trägersysteme wurde für jedes Land auf 800 Stück begrenzt, wobei nicht mehr als 700 stationiert sein dürfen.
Damit ist das letzte noch bestehende Abkommen zur Begrenzung von Atomwaffen zwischen den USA und Russland Geschichte. Den INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces Treaty) von 1987, zu Deutsch auch Mittelstrecken-Nuklearstreitkräfte-Vertrag von 1987, demzufolge Nuklearraketen an Land mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern inklusive Abschussvorrichtungen und Infrastruktur binnen drei Jahren vernichtet und verboten wurden, hatte US-Präsident Trump bereits 1919 gekündigt, im Jahr 2024 verkündete Russlands Präsident Wladimir Putin den Bau neuer Mittelstreckenraketen und ließ sie in Weißrussland stationieren. In Deutschland sollen 2026 neue US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk aufgestellt werden.
Russland hat allerdings sein Angebot erneuert, sich ein weiteres Jahr an die Bestimmungen des zum Donnerstag auslaufenden Atomwaffenabrüstungsvertrags New START zu halten, berichtet die Ärzteorganisation IPPNW. Die deutsche IPPNW-Sektion fordert die Bundesregierung auf, sich gegenüber den USA und in der NATO dafür einzusetzen, dass Präsident Trump das Angebot aufgreift. Die Nuclear Free Future Foundation schließt sich dieser Forderung uneingeschränkt an.
Die Wissenschaftler*innen nennen laut IPPNW drei Gründe, warum die Aufrechterhaltung des Vertrages im unmittelbaren nationalen Interesse beider Staaten liegt:
Zum einen könne eine Verlängerung von New START ein destabilisierendes Wettrüsten verhindern, nicht nur im atomaren Bereich. Das sofortige Auslaufen aller Beschränkungen berge die Gefahr eines Atomkrieges. Ohne die Leitplanken von New START wäre der Druck, die Arsenale rasch auszubauen, immens, was hohe Kosten bedeuten und das Risiko von Fehleinschätzungen erhöhen würde.
Zweitens würden einseitige Verpflichtungen zur Begrenzung der Sprengköpfe und Trägersysteme ein starkes Signal an die Welt senden. Sie würden zeigen, dass die USA und Russland trotz geopolitischer Differenzen weiterhin entschlossen sind, den Nichtverbreitungsvertrag aufrechtzuerhalten und zu stärken.
Drittens würde ein einjähriges Moratorium würde den Präsidenten Trump und Putin die notwendige Zeit verschaffen, um sich mit den Herausforderungen der heutigen Zeit auseinanderzusetzen – darunter die Integration neuer Technologien und die Einbeziehung anderer Atomwaffenstaaten –, ohne dass das Damoklesschwert eines atomaren Wettrüstens über dem Verhandlungstisch schwebt.
Der Anfang März erscheinende Uranatlas 2026 zeigt ebenfalls, dass die Zeit der nuklearen Abrüstung vorbei ist. Aufrüstung und gegenseitiges Drohen sind jedoch nicht zielführend. Die Geschichte der nuklearen Abrüstung hat auch gezeigt, dass gerade nach großen Krisen - z.B, der Kuba-Krise 1961 oder der Aufstellung der Pershing-Raketen in den 1980er Jahren in Deutschland - die Nuklearmächte zu vertrauensbildenden Maßnahmen und zur Abrüstung bereit waren. "Mit der Entscheidung, diese Beschränkungen (des NEW-START-Vertrags) für ein Jahr beizubehalten, würden die USA und Russland sicherstellen, dass der Übergang in eine neue Ära der Rüstungskontrolle geordnet und strategisch verläuft“, erklärt Dr. Lars Pohlmeier, Co-Vorsitzender der deutschen IPPNW-Sektion.